"Türkengilde" strafte Mitglieder ab

Dass gleich zwei Bürgermeister der Stadt Kappeln zum vormittäglichen "Türkentrecken" erscheinen, ist auch bei der Türkengilde äußerst selten. Diesmal waren Kappelns scheidender Bürgermeister Roman Feodoria und sein Nachfolger im Amt, Heiko Traulsen, auf Einladung im Gildelokal, dem ASC-Restaurant am Südhafen, erschienen. Beide wurden vom 1. Ältermann Hauke Daniel sowie rund 20 aktiven und passiven Gildebrüdern begrüßt. Dabei hatte Hauke Daniel für Roman Feodoria eine Überraschung parat. Als Dank für die gute Zusammenarbeit und die für die Stadt erbrachte Leistung übergab der 1. Ältermann der Junge-Leute-Gilde zu Kappeln, wie die Gilde offiziell heißt, dem scheidenden Bürgermeister den Gildeteller. Roman Feodoria bedankte sich bei der Gilde und lobte deren Traditionsbewusstsein. So dann stellte sich Heiko Traulsen als neuer Bürgermeister der Junge-Leute-Gilde vor. Er bekam noch keinen Ehrenteller. "Den muss er sich erst noch verdienen", so Ältermann Hauke.

Zuvor hatte die Gilde mit dem "Türkentrecken" vor dem Gildelokal - dabei wird das hölzerne Maskottchen "Garibaldi" am Mast hochgezogen - nach außen gezeigt, dass sie wieder aktiv wird.

Dieses "Türkentrecken" bildet traditionell den Auftakt für die abendliche Jahreshauptversammlung im Gildelokal, zu dem Hauke Daniel 16 aktive und 14 passive Gildebrüder begrüßen konnte, alle mit dem obligaten Fez. Nachdem die Ältermänner Hauke Daniel , Claudius Callsen (2. Ältermann) und Jan Becker (3.Ältermann) die Gildelade geöffnet und Hauke Daniel sich die Gildekette umgehängt hatte, war die Jahreshauptversammlung eröffnet.

Als Geldeintreiber des Abends bestimmte die Versammlung Kevin Petersen. Und er bekam viel zu tun. Denn die drei Ältermänner achteten peinlich darauf, dass jeder Anwesende sich gildekonform verhielt. Singen ohne Fez, Dazwischenreden, Falschsingen, jemanden mit Spitznamen anreden oder den Raum ohne sich abzumelden verlassen, all das wurde unbarmherzig geahndet. Dazu schlugen die Ältermänner kräftig mit ihren neuen handgedrechselten Klöppeln, die kurz zuvor Lars Hageböcker als Geschenk an die Gilde übergeben hatte auf den Tisch, nannten Name und Strafe des Betreffenden, und schon machte sich der Geldeintreiber auf den Weg. Fragte jemand nach, warum er zahlen sollte, wurde die Strafe gleich erhöht.

Auch die Ältermänner wurden nicht verschont. So wurde bei der Prüfung der Kasse durch Niklas Itzke ein Beleg mit einer schwer lesbaren Unterschrift des 2. Ältermannes entdeckt. Claudius Callsen entschuldigte sich zwar für seine "jugendlich unleserliche Schrift". Und schließlich "sei dabei auch Alkohol im Spiel gewesen". Er erkannte sein Schuld an und "bat nicht um Nachsicht". Stattdessen spendierte er eine Runde Bier. Diese Strafe wurde angenommen.

Aber auch den Strafgeldeintreiber traf es hart. Weil der Deckel der Strafgeldkasse abhanden gekommen war, musste er 15 Euro berappen. Erst danach kam der Deckel wieder zum Vorschein. Ex-Ältermann Heinz Daniel fand ihn zur Überraschung aller in seiner Jacke. Das wiederum verführte Knud-Edgar Rieger dazu, ohne Erlaubnis das Gildelied anzustimmen und alle sangen mit. Die Strafe folgte auf dem Fuße: 5 Euro.

Trotz dieser Zwischenfälle konnten alle formalen Regularien der Jahreshauptversammlung abgewickelt werden. Zu Beginn der Versammlung hatte Hauke Daniel in seinem Jahresbericht von einem erfolgreichen Jahr gesprochen. Zur Türkenmaskerade kamen 300 Besucher in die "Alte Eule" im Hüholz. Diese Zahl soll im neuen Jahr getoppt werden. Allerdings bemängelte er das mangelnde Interesse der Mitglieder an Gildeveranstaltungen. So waren bei einem Grillfest im Oktober von 35 Eingeladenen nur zehn erschienen.

Es gab aber auch Erfreuliches für den 1. Ältermann an diesem Abend. So konnte er mit Falko Mertens (in Abwesenheit) sowie Lars Burger und Falko Kneten drei verdiente Gildebrüder ehren. Der ehemalige Ältermann Falko Kneten erhielt ein Gildebuch. Der langjährige 3. Ältermann Lars Burger und Falko Mertens wurden für ihre Gildearbeit mit dem Gildebecher ausgezeichnet. Für Lars Burger kam allerdings eine Strafe obendrauf. Als ehemaliger Kassenwart hatte er den Gildestempel bei einer Türkenmaskerade in einer Kappelner Diskothek vergessen. Das war jetzt herausgekommen. Strafe: 10 Euro. Doch diesmal ging die Strafgeldkasse leer aus: Der Bestrafte tauschte das Strafgeld gegen

"eine Runde Köm und Bier für alle" um.

Die "Türkenmaskerade" 2010 wird unter dem Motto "Auf Neptuns Grund da geht es rund" am 6. Februar im Restaurant "Alte Eule" im Hüholz stattfinden. Zur Vorbereitung werden alle Mitglieder am 8. Januar zu einer vorbereitenden Sitzung eingeladen.

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