Tumulte bei Versammlung der Türkengilde

Gerade erst hatten die Gildebrüder Falko Kneten zum neuen 1. Ältermann gewählt, da löste der schon Tumulte unter den Mitgliedern aus. Kneten wollte einen Beschluss der Türkengilde rückgängig machen - und verhielt sich dabei nach Empfinden der Gildebrüder alles andere als diplomatisch.










Morgendliches Türkentrecken vor dem Gildelokal im Kappelner Südhafen. (Foto Werner Barz)

Kappeln - Fast sechs Stunden dauerte die Jahreshauptversammlung der Kappelner Türkengilde im ASC-Restaurant. Auslöser der tumultartigen Szenen nach Mitternacht war der kurz zuvor neu gewählte 1. Ältermann der Junge-Leute-Gilde Falko Kneten.

Kraft seines neuen Amtes versuchte er, einen Versammlungsbeschluss rückgängig zu machen. Er wollte aus Kostengründen den in der Koslowski-Halle geplanten Maskenball am 2. Februar in das Hotel Stadt Kappeln verlegen.

Diesen Schwenk machten die Mitglieder nicht mit. In der immer hitziger werdenden Diskussion wurde dem neuen Vorsitzenden "diktatorisches Verhalten" vorgeworfen, weil er Redebeiträge, die gegen seinen Vorschlag gerichtet waren, mit den Worten unterbrach: "Du hast schon alles gesagt. Jetzt ist der nächste dran."

Von diesem Verhalten fühlten sich vor allen Dingen die Ex-Ältermanner brüskiert. So ein Verhalten eines Ältermannes hätten sie in "den letzen 50 Jahren nicht erlebt". Und auch die fünf neuen Mitglieder hatten sich das Gildeleben anders vorgestellt. Zu allem Überfluss wurde durch den Streit auch noch die Schiebetür des ASC-Restaurants beschädigt.

Das aggressive Klima der Versammlung verleitete den neuen 1. Ältermann Falko Kneten, seinen zuvor durch einstimmige Wahl erworbenen Posten niederzulegen. Nur das beherzte Eingreifen einiger passiver Mitglieder rettete die Versammlung. Sie überredeten Kneten dazu, weiterzumachen. Kneten sah schließlich ein, dass er zu aggressiv agiert hatte und entschuldigte sich. Dafür gab es Beifall von allen. Kurz danach konnte der neue Ältermann die Versammlung kurz vor 2 Uhr morgens einigermaßen versöhnlich schließen.

Dabei hatte alles am Morgen in fröhlicher Runde begonnen. 15 Gildebrüder hatten sich unter Leitung des Noch-Ältermannes Hauke Daniel und seines Vertreters Falko Kneten im Nordhafen getroffen. Von dort wurden sie mit dem Fischkutter "Pollux" zum Gildelokal im Südhafen, dem ASC-Restaurant, gebracht. Vor dem ASC-Restaurant gingen die Aktiven an Land. Dort wurde unter der Regie der beiden Ältermänner Hauke Daniel und Falko Kneten unter Absingen des Gildeliedes das hölzerne Gildemaskottchen "Garibaldi" am Mast emporgezogen.

Bei der abendlichen Versammlung im ASC-Restaurant konnten der amtierende 1. Ältermann Hauke Daniel und sein Stellvertreter Falko Kneten 17 Aktive, fünf neue Mitglieder und vierzehn passive Mitglieder, darunter zahlreiche ehemalige Ältermänner, begrüßen.

Schon beim Verlesen der Anwesenheitsliste reagierten die Versammelten restriktiv. Sie schmissen einen Säumigen aus der Gilde raus. Der Betreffende war im letzten Jahr eingetreten und seitdem durch Inaktivität aufgefallen. Und in noch einem weiteren Fall wurde die Versammlung aktiv, als sie ein aktives Mitglied wegen nicht mehr vorhandener "Versammlungsfähigkeit" nach Hause verfrachtete. Viel zu tun hatte Strafgeldeintreiber Steffen Petersen. Obwohl die Versammlung zunächst friedlich verlief, flossen die Strafgelder kräftig in die Strafgeldkasse. Wer dazwischenredete, sich unerlaubt aus dem Saal entfernte, falsch sang oder beim Singen nicht seinen Fez aufsetzte, wurde bestraft. Die "Alttürken" wurden provozierten ihre Strafen ganz bewusst durch Falschsingen oder Dazwischenreden.

An die 100 Mal wurden Strafen von 1 Euro verhängt, rund 50 Mal 2 Euro plus weitere in Höhe von 3 bis 20 Euro. In seinem letzten Jahresbericht ließ der 1. Ältermann Hauke Daniel das Gildejahr Revue passieren. Er erinnerte an den Maskenball im "Porto Sando" mit 160 Gästen, und an den Umzug im Rahmen der 650-Jahr-Feier der Stadt.

Hier vermisste er die Würdigung der Gildeaktivitäten durch die Stadt. Enttäuschend nannte er das Gildeinteresse zu den dreitägigen Gildefeiern aus Anlass des 340-jährigen Gildebestehens. 30 Teilnehmer zur Eröffnung und 60 beim Gildeball ließen bei ihm Gedanken an einen Rücktritt aufkommen. Doch die abschließende Schifffahrt nach Maasholm mit dem Treffen der Maasholmer Gilde und dem ersten Türkentrecken außerhalb der Kappelner Stadtgrenzen hatte ihn wieder mit der Gilde versöhnt.

Laut Kassenprüfer Pascal Akrami hat die Gilde in diesem Jahr ein Minus von rund 1.300 Euro erwirtschaftet. Das fochten die Mitglieder nicht an. Sie entlasteten den Vorstand einstimmig. Spannend wurde es, als es unter Tagesordnungspunkt 8 um die Wahl des 1. und 2. Ältermannes ging. Verzweifelt versuchten die Anwesenden, Hauke Daniel zu einer weiteren Kandidatur zu bewegen. Und Ralf Bengelstorf sagte: "Hauke, du hast es wunderbar gemacht!" Alles nützte nichts. Es kam zur Wahl. Von sieben Bewerbern blieb Falko Kneten übrig. Er erhielt alle Stimmen. Stellvertreter wurde Claudius Callsen.

Sicherlich ist es richtig und ich habe als I. Ältermann, der Gildeversammlung ihre Entscheidung zur Koslowski- Halle noch mal zu überdenken gegeben. Denn als I. Ältermann habe ich die Pflicht für das Wohl der Gilde zu entscheiden.

Seit fast 20 Jahren bin ich nun aktives Mitglied in der Junge-Leute-Gilde zu Kappeln und habe versucht mich immer zum Wohle der Gilde einzusetzen. Dazu gehört aber auch, eine eigene Meinung zu vertreten, auch – oder vielleicht auch gerade wenn nicht alle diese Meinung teilen.

Unser vorheriger Ältermann Hauke Daniel hat viel geleistet und sich sehr für die Gilde eingesetzt. Viele Entschei-dungen hat er ohne mein Wissen und auch teilweise bewusst gegen meinen Rat anders entschieden. Die Entscheidung, dass wir den alljährlichen Maskenball feiern wird eigentlich immer bei der Jahreshauptveranstaltung von der Versammlung getroffen. In meiner Zeit und die Zeit, die ich in den Büchern verfolgen kann ist nie von der Versammlung gegen die Feier gesprochen worden, also ist diese Abstim-mung mehr symbolisch.

Am 05. Oktober 2007 haben wir im „Hotel Stadt Kappeln“ unseren Herrenabend, anlässlich unseres 340jährigen Bestehens, stattfinden lassen. Zu dieser Gelegenheit führte uns der Kröger durch sein Haus und zeigte uns seine neuen Räumlichkeiten, die demnächst eröffnet werden sollen. Diese sind in der Zwischenzeit als „San Michele“ bekannt. Mit diesen ergänzenden Räumlich-keiten war/ist es überhaupt erst wieder möglich eine Gildefeier im verkleinerten Saal des „Hotel Stadt Kappeln“ zu feiern. Hauke Daniel und ich haben uns spontan den 02.02.2008 beim Kröger Michael Hucke gesichert. Mitte Dezember ist Hauke dann auch noch bei Michael Hucke gewesen und hat den Termin nochmals bestätigt.

Als wir nun am Morgen des 27.12. während unserem Marsch durch die schönen Straßen unserer Heimatstadt zogen, kehrten wir auch im „Hotel Stadt Kappeln“ ein. Die Begrüßung durch unseren I. Ältermann Hauke Daniel kam etwas stockend und als ich seine Worte hörte: „…die Gilde hat sich anders entschieden, wir feiern nicht bei Dir…wir gehen in die Koslowski-Halle“ glaubte ich zu träumen.

Ich denke, bei einem Vorstand von drei Älterleuten sollte es möglich sein sich abzusprechen!

Später stellte sich heraus, das ich zu dem Termin der außer-ordentlichen Versammlung nicht zugegen war. Gut, kann passieren, dass ich auch mal beruflich nicht teilnehmen kann, aber ich wurde als II. Ältermann nicht einmal eingeladen…

Wieder später stellte sich her-aus, dass auf dieser „Versam-mlung“ nur zwei Gildebrüder und unser I. Ältermann zugegen waren. Unter Bezug auf unsere Satzung Artikel 5 müssen zu solchen Versam-mlungen 50 Prozent der aktiven Gildebrüder anwesend sein. Auch müssen zwei oder mehr inaktive Mitglieder gehört werden. Beide Punkte wurden nicht beachtet. Ich habe daher die Entscheidung zum Veran-staltungsort lediglich wiederholen wollen.

Das ich einigen Gildebrüdern das Wort „abgedreht“ habe ist richtig, aber ein Redebeitrag der sich drei Mal wiederholt ist nicht förderlich. Ich habe von allen Gildebrüdern erwartet, dass sie sich die Pro und Contra zu beiden Häusern anhören und nicht nur nach Sympathiewerten entscheiden.

Die Koslowskihalle ist jetzt der Veranstaltungsort für unsere Türkenmaskerade 2008
am 02. Februar.

Ich hoffe, dass trotz allem Durcheinander die Gäste einen schönen unvergesslichen Abend feiern werden und unter dem Motto Wind & Wellen sich viele Kostümierte zum Beginn um 20.00 Uhr einfinden.

Falko Kneten
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