Der Musje Christian singt
Nach der Melodie von Dr. Eisenbart singt der Musje Christian ein Lied. Denn vieles gleicht sich doch bei ihnen.
Das Spottlied und sein marktschreierisches Auftreten hatten Dr. Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727) den Ruf eines Kurpfuschers eingetragen. Sein Name wurde unverdient zum Sinnbild für rauhe Kuren mit schlechtem Ausgang. In Wirklichkeit war Eisenbarth ein Könner in seinem Beruf, ein Arzt, der seiner Zeit weit voraus war und vielen Kranken geholfen hat.
Er war, nach heutiger Sicht, ein Marktschreier, der sich geschickt die Gunst der Menge zu erringen wußte. Mit Hilfe einer fahrenden Bühne kam er in die Städte und machte auf sich aufmerksam. 1703 erwarb Dr. Eisenbart ein Haus in Magdeburg und auch die Bürgerrechte in der Altstadt. Nachweislich war er ein sehr guter Arzt, modern, innovativ, schnell und geschickt. Er konnte gut diagnostizieren und betrieb auch als einer der ersten Ärzte überhaupt eine exzellente Nachsorge. Seine kühnen Operationen erregten Aufsehen bei den Zeitgenossen.
Nach seinem Tod wurde Dr. Eisenbart in, der Gruft des Altarraumes, der St. Aegidienkirche in Hannoversch Münden, beigesetzt. Sein barocker Grabstein steht seit 1837 an der Nordseite der Kirche.
Des Musje Christians allerneustes Leib- und Magenstück
Hört nun ihr lieben Leute an,
wide wide witt bumm bumm
jetzt kommt der Musje Christian.
wide wide witt bumm bumm
Ich hab im meinem Kopf, (fürwahr)
wide wide witt juchhairassa
vielmehr als der in seinem Zopf.
wide wide witt bumm bumm
Mein Herr Professor Nudeldaus,
er zieht zwar oft die Stirne kraus,
er meint ich sei nur in der Lehr,
und raubt ihn doch schon seine Ehr.
Wie einst der Doktor Eisenbart,
Kuriere ich auf meine Art,
Hab’ manchen schon den Kopf verdreht,
der noch auf beide Beine geht.
Einst hatt’ ein Mann den grünen Star,
getragen über zwanzig Jahr.
Ich gab ihm Räucherpulver ein,
das Auge kann nun besser sein.
Die Frau Major in Triaidum,
die war oft ganze Wochen stumm.
Ich setzt’ ihr einen Floh ins Ohr,
jetzt singt sie allen Leuten vor.
Der keine Knirps von Haselund,
Hatt’ öfters einen bösen Mund,
ich zog ihm einen Eckzahn aus
Jetzt geht er immer still nach Haus.
Die Köchin Jane Apelmuus,
verbrannte sich den rechten Fuss.
Ich strich ihr ein Schönpflasterlein,
gesund ward gleich das linke Bein.
Der Bürgermeister Honigrauch
hatt’ einen starken Bierbassbauch.
Den setzt’ ich auf die Wasserkur‚
von Podogra ist keine Spur.
Des Pfarrers Sohn von Thunichtgut
den nahm ich unter meinen Hut,
Der Wunderdinge wirken kann,
denn lesen kann der junge Mann.
Viel Tausend solche Kuren mehr
versich’re ich euch auf meine Ehr,
hat überall und hier gethan
der allerweltsnütze Christian.
Ihr Männer darum hergeschaut,
was Christian für Sachen braut,
besonders gegen Weiberlist,
sein Mittel ganz probate ist.
Ihr Weiber habt die Männer lieb,
sonst hol’ ich her den Gänsedieb!
Seid ihr auch dann nicht Unterthan,
so kommt der Musje Christian.
Ihr Mädchen hütet euren Mund,
sonst thu ich’s allen Orten kund...
Wer erst auf alten Tagen freit,
den halt ich für nicht recht gescheit.
Doch habt ihr einen euch erseh‘n,
kommt nur und bittet mich recht schön,
mit einer Flasche Liebesthran,
fängt ihn auch der Musje Christian
Nun frag’ ich noch zu allerletzt,
hat euch denn dieses Lied ergötzt?
So sagt: Dat weer ken Dummetan
De ole Musje Christian.
Hier auch zum Hören
Die Wurzeln des Spottliedes sind womöglich im Neid seiner weniger erfolgreichen Kollegen zu suchen. Falls jemand die originellen und originalen Strophen nicht kennt habe ich Sie hier notiert.
Dr. Eisenbart
Ich bin der Doktor Eisenbart,
wide wide witt bumm bumm.
Kurier' die Leut' nach meiner Art,
wide wide witt bumm bumm.
Kann machen, daß die Blinden geh'n,
wide wide witt juchhairassa,
und daß die Lahmen wieder seh'n,
wide wide witt bumm bumm!
Zu Podsdam trepanierte ich
den Koch des Großen Friederich,
Ich schlug ihm mit dem Beil vor'n Kopf,
gestorben ist der arme Tropf.
Zu Ulm kuriert' ich einen Mann,
daß ihm das Blut vom Beine rann;
er wollte gern gekuhpockt sein,
ich impft's ihm mit dem Bratspieß ein.
Der Schulmeister von Itzehoe
litt dreißig Jahr an Diarrhöe;
ich gab ihm cremor tart'ri ein,
er ging zu seinen Vätern ein.
Des Küsters Sohn in Dudeldum,
dem gab ich zehn Pfund Opium,
darauf schlief er Jahre, Tag und Nacht,
und ist bis jetzt noch nicht erwacht.
Es hatt' ein Mann in Langensalz
ein'n zentnerschweren Kropf am Hals;
den schnürt' ich mit dem Hemmseil zu,
probatum est, er hat die Ruh'.
Sodann dem Hauptmann von der Lust
nahm ich drei Bomben aus der Brust;
die Schmerzen waren ihm zu groß:
wohl ihm! er ist die Leiden los.
Jüngst kam ein reicher Handelsmann
auf einem mager'n Klepper an;
es war ein Schacherjud' aus Metz:
ich gab ihm Schinken für die Krätz'.
Zu Prag, da nahm ich einem Weib
zehn Fuder Steine aus dem Leib;
der letzte war ihr Leichenstein;
sie wird wohl jetzt kurieret sein.
Vor Hunger war ein alter Filz
geplagt mit Schmerzen an der Milz;
ich hab ihn Extrapost geschickt,
wo teure Zeit ihn nicht mehr drückt.
Heut' früh nahm ich ihn in die Kur,
just drei Minuten vor zwölf Uhr;
und als die Glocke Mittag schlug,
er nicht mehr nach der Suppe frug.
Ein alter Bau'r mich zu sich rief,
der seit zwölf Jahren nicht mehr schlief;
ich hab' ihn gleich zur Ruh' gebracht,
er ist bis heute nicht erwacht.
Zu Wien kuriert' ich einen Mann,
der hatte einen hohlen Zahn;
ich schoß ihn 'raus mit der Pistol,
ach Gott, wie ist dem Mann so wohl!
Mein allergrößtes Meisterstück,
das macht' ich einst zu Osnabrück;
podagrisch war ein alter Knab';
ich schnitt ihm beide Beine ab.
In München braucht' ich mein Klistier,
ein Mannsoff hundert Liter Bier;
doch das Klistierchen war zu klein,
da schlug ich einen Zapfhahn rein.
Zu Wimpfen accouchierte ich
ein Kind zur Welt gar meisterlich;
dem Kind zerbrach ich sanft das Gnick,
die Mutter starb zum guten Glück.
Sehr wohlfeil ist auch meine Kur,
denn jeder braucht sie einmal nur;
was mancher nur im Jahr vermag,
kuriere ich an einem Tag.
Vertraut sich mir ein Patient,
so mach' er erst sein Testament;
ich schicke niemand aus der Welt,
bevor er nicht sein Haus bestellt.
Das ist die Art, wie ich kurier',
sie ist probat, ich bürg' dafür;
daß jedes Mittel Wirkung tut,
schwör' ich bei meinem Doctorhut.

Eisenbartbrunnen von 1939
in Mageburg
Bildhauer: Fritz von Grävenitz
Musje Christians Weisheiten
Musje Christians Rede
Musje's Leibstückchen 1
Musje's Leibstückchen 2
Läufertanz
Nordischer Brauttanz
Lied des Bauern und der Braut
Tiroler Tanz
Schäfertanz
Matrosentanz
Vier Jahreszeiten
Haselund ist eine kleine Gemeinde ca. 60 km westlich von Kappeln
Podogra bezeichnet Geschwüre an den Füßen, die durch eine falsche Druckverteilung zustande kommen.
Die Musik ist Dank Franz Töschner auch zu hören. Für nähere Informationen siehe bitte in der Rubrik Danke .