Schleswig-Holstein Lied
1948 wurde das Schleswig-Holstein Lied zum ersten Mal auf einer Gildeversammlung gesungen. Damals war es aber nur zum 100sten Jahrestag der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. In der Geschichte unserer Gilde spielte dieses Lied lange eine untergeordnete Rolle. War uns unser Gildelied und das Kappeln Lied doch deutlich wichtiger, so haben wir das Schleswig-Holstein Lied erst 1995 in unser Liedgut mit aufgenommen. Bei der grundlegensten Statutenänderung seit Anbeginn der Gilde haben wir im Jahr 2006 dies auch schriftlich in unseren Statuten eingetragen. Seitdem ist dieses Lied bei allen Anlässen der Gilde zu singen.
Komponiert wurde das Schleswig-Holstein-Lied vom Schleswiger Kantor Carl Gott- lieb Bellmann. Dieser schrieb das Lied zum Schleswiger Sängerfest, das am 24. Juli 1844 stattfand. Der Text stammte in der Urfassung vom Berliner Rechtsanwalt Karl Friedrich Straß (1803 - 1864), den Bellmann 1842 oder 1843 kennen lernte.
Als Bellmann für das Sängerfest ein besonderes Stück gesucht hat, taten sich beide zusammen und zur Melodie von Bellmann schrieb der dichterisch begabte Rechtsanwalt vier Strophen. Die innige Verbundenheit mit dem Land zwischen den Meeren, hatte Karl Friedrich Straß von seinen Vorfahren. Die erste Strophe lautet:
Schleswig, Holstein, schöne Lande.
Wo mein Fuß die Welt betrat;
O, dass stets an eurem Strande
keime wahren Glückes Saat!
Schleswig, Holstein, stammverwandt,
haltet fest der Eintracht Band!
Kurz vor dem Sängerfest empfand die einladende Liedertafel den Text als zu harmlos.
Im Rückblick gibt es nämlich anzumerken, das 1840 in Nordschleswig dänisch als Amtssprache eingeführt wurde. Zuvor war an den Gerichten und in der Verwaltung deutsch die Amtssprache.
1842 war es dann soweit. Der dänischgesinnte Abgeordnete Peter Hiord Lorenzen meldete sich auf dänisch, in der Schleswiger Ständeversammlung, zu Wort. Sein Ziel war die Durchsetzung der zweiten Amtssprache nicht nur in Nordschleswig, sondern in ganz Schleswig und Holstein. Dieser Aufruhr hatte ein Nachspiel, in dem der dänische König Christian VIII zur Eröffnung der folgenden Ständeversammlung folgendes Mitteilte:
„Dieser Streit errege sein allerhöchstes Missfallen. Da er geeignet, das gegenseitige Vertrauen zu schwächen, durch welches das wahre Wohl sämmtlicher unter unserem Scepter vereinigten Lande bedingt werde...“
Diese Zurechtweisung wurde vielerorts als ungerecht empfunden. Der Text von Straß wurde daraufhin als zu seicht betrachtet und der Rechtsanwalt Chemnitz schrieb deshalb kurz vor der Premiere einen neuen Text. Das Lied schlug ein und wurde, nicht zuletzt auch wegen seiner hymnischen Musik, bald überall gesungen. Vom Originaltext behielt Chemnitz nur sehr wenig. Die vorletzte Zeile "Schleswig-Holstein stammverwandt" und zwei weitere Zeilen der vierten Strophe wurden in die nunmehr sieben Strophen mit aufgenommen.
Straß hatte noch, wie es staatsrechtlich richtig war, Schleswig und Holstein durch ein Komma getrennt. Chemnitz setzte einen Bindestreich zwischen die beiden und meinte damit, dass Schleswig-Holstein ein nunmehr eigenständiges Land sei.
Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
Deutscher Sitte hohe Wacht.
Wahre treu, was schwer errungen,
bis ein schön'rer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht mein Vaterland.
Die übrigen Strophen enden mit der Aufforderung, "treu" zu bleiben, "festzustehen" und "auszuharren". Da das Ziel dieses Abwartens nicht genannt wird, war möglicherweise die Bindung mit einem geeinten Deutschland angedacht.
Vaterland stand damals auch nicht für Deutschland, sondern für Schleswig-Holstein, dieses Land sei deutsch, sogar ein besonderer Bewahrer des Deutschtums, wie der zweite Vers der ersten Strophe feststellt. Dem Begriff Deutsch werden "Tugend" und "Treue" zugeordnet. Die vierte Strophe, die als einzige mit zwei Ursprungszeilen beibehalten wurde, zeigt, dass Chemitz daran gelegen war zuzuspitzen. Straß dichtete:
Gott ist stark auch in den Schwachen,
wenn sie gläubig ihm vertraun;
und dann weiter im Ursprungstext:
Und ein gut gelenkter Nachen,
kann trotz Sturm den Hafen schaun.
Daraus machte Chemnitz:
Zage nimmer, und dein Nachen,
wird trotz Sturm den Hafen schaun.
"Nachen" ist der poetische Begriff für ein kleines Boot. Die letzte Strophe von Chemitz beschreibt auf neue Art das angestrebte staatsrechtliche Verhältnis der Herzogtümer zu Dänemark:
Teures Land, du Doppeleiche
unter einer Krone Dach,
stehe fest und nimmer weiche,
wie der Feind auch dräuen mag!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!
Eine Doppeleiche hat zwei Stämme, aber nur eine Wurzel. Stammverwandt bilden ihre Kronen ein gemeinsames Dach. Mit diesem Bild beschreibt Chemnitz, dass Schleswig und Holstein untrennbar zusammengehören. Die Krone steht auch für den Landesherren, den Herzog von Schleswig und Holstein, der Schutz gewährt.
Nach dem Empfinden der damaligen Zeit hatte das Lied eine eingängige, zündende Melodie, die im Stile der französischen Revolutions- und Nationallieder komponiert wurde. Das Schleswig-Holstein-Lied stieg dadurch bald neben dem Wappen und der Flagge zu einem weiteren Nationalsymbol auf. Der vollständige Text:
Wanke nicht, mein Vaterland
Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
Deutscher Sitte hohe Wacht,
Wahre treu, was schwer errungen,
Bis ein schön'rer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!
Ob auch wild die Brandung tose,
Flut auf Flut von Bai zu Bai,
O, laß blüh'n in deinem Schoße
Deutsche Tugend, deutsche Treu!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Bleibe treu, mein Vaterland!
Doch wenn inn're Stürme wüten,
Drohend sich der Nord erhebt,
Schütze Gott die holden Blüten,
Die ein milder Süd belebt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Stehe fest, mein Vaterland!
Gott ist stark auch in den Schwachen,
Wenn sie gläubig ihm vertrauen;
Zage nimmer, und dein Nachen
Wird trotz Sturm den Hafen schaun!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Harre aus, mein Vaterland!
Von der Woge, die sich bäumet,
Längs dem Belt am Ostseestrand,
Bis zur Flut, die ruhlos schäumet
An der Düne flücht'gem Sand!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Stehe fest, mein Vaterland!
Und wo an des Landes Marken
Sinnend blinkt die Königsau,
Und wo rauschend stolzen Barken
Elbwärts ziehen zum Holstengau!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Bleibe treu, mein Vaterland!
Teures Land, du Doppeleiche
Unter einer Krone Dach,
Stehe fest und nimmer weiche,
Wie der Feind auch dräuen mag!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
Wanke nicht, mein Vaterland!

Bildquelle:
Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (SHLB)
ein Bai ist eine Bucht
inn're Stürme sind die Rivalitäten zwischen Deutschland und Dänemark.
Der drohende Norden ist Dänemark und der milde Süden ist Deutschland.
Marken sind Grenzen
dräuen ist gleich drohen