Türkische Wörter in der deutschen Sprache
In diesem Kapitel möchte ich ein wenig auf sprachliche Unarten eingehen. Jeder beschwert sich heutzutage über die ständigen englischen Wörter in der deutschen Sprache. Dabei ist nur wenigen bewusst, dass eine Sprache sich ständig weiterentwickelt.
Dies ist nicht nur heute so, wo ständig neue Erfindungen unseren Sprachschatz erweitern, sondern auch vor Jahrhunderten fanden unterschiedliche Ausdrücke in den verschiedenen Sprachen einen Eingang.
Die Wörter, die jeder kennt sind zum Beispiel Jogurt und Kiosk. Letzterer kommt vom türkischen köşk (köschk gesprochen). Hier aber nun ein paar weitere Beispiele der türkischen Ausdrücke, in der deutschen Sprache.
getürkt
türken
(Musik-) Band
Kruzitürken
Kümmeltürken
Türkis
Hurra
Hekmek
Türk und Sultan
Türkenstecher
Türkenstechen
Türkenblut
getürkt
Jeder weiß, dass wenn etwas getürkt ist, es darum geht das etwas falsch ist. Aber woher kommt der Ausdruck?
Für diesen Ausdruck gibt es gleich drei Erklärungen. Die eine ist eng mit der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahre 1895 verbunden. Eine Musikkapelle hat für die verschiedenen Nationen, die zum Gratulieren angereist waren, einen Musikalischen Empfang bereitet. Jedes vorbeifahrende Schiff wurde mit seiner Nationalhymne begrüßt. Leider hatte aber keiner an die Noten der türkischen Nationalhymne gedacht und so intonierte der Kapellmeister das Lied „Guter Mond, du gehst so stille“ - in Erinnerung des Halbmondes im türkischen Wappen.
Die zweite Erklärung ist mit dem österreichischen Erfinder Wolfgang von Kempelen (1734-1804) in Verbindung gebracht. Im Jahre 1769 baute er einen Schachautomaten, dessen „mechanischer“ Spieler wie ein Türke gekleidet war. In Wahrheit war im Inneren der Maschine ein Mensch, der den Türken bewegt hat.
Vermutlich stammt der Ausdruck aber aus der Zeit der Türkenkriege und geht auf eine Kriegslist der Österreicher zurück. Diese stellten auf der Riegersburg in der Steiermark türkisch aussehende Puppen auf die Zinnen der Burg. Diese Puppen sollten vorbeiziehenden türkischen Truppen signalisieren, dass die Burg schon von anderen Einheiten eingenommen wurde.
türken
ist daher einem anderen etwas vormachen. Dieses als Verb (Tuwort) verwendete Wort fand erst im 20. Jahrhundert Zugang in die deutsche Sprache.
Türken ist aben auch eine "Gefechtsübung gegen einen angenommenen Feind; eingedrilltes, parademäßiges vorexerzieren bei militärischen Besichtigungen." Jemanden also etwas vormachen. Nachgewiesen in einem Militärhandbuch des Jahres 1900.
Band
Das heute oft gebrauchte Wort Band, wie z.B. in Boyband, Jazzband etc. stammt in seinen Ursprüngen vom Wort Bande. Eine gefangene Janitscharrenkapelle soll in Wien abfällig als Bande oder Banda bezeichnet worden sein. Darauf hin entwickelte sich für Musiker, die nicht klassische Orchestermusik spielen das Wort Band und ist somit nicht englisch.
Kruzitürken
Das Wort "Kruz" leitet sich nicht aus dem Wort Kreuz ab. Es bedeutet daher auch nicht, das man die Türken kreuzigen soll (Kruzitürken). "Kruzi" geht zurück auf die Kuruzen. So wurden ursprünglich die Kreuzzugteilnehmer im ungarischen Königreich genannt, später wandelte sich die Bedeutung über Aufständische hin zu Räuber, Banditen.
Im 18. Jahrhundert wurden Aufständische in den antihabsburgischen Kriegen als Kuruzen bezeichnet. Die Aufständischen unterstützten die Türken, und der Ruf "Die Kuruzen und die Türken kommen" wurde dann irgendwann zum Fluch "Kruzitürken!".
Kümmeltürken
Als Kümmeltürken werden in der studentischen Umgangssprache diejenigen Studenten bezeichnet, deren Heimat nicht weiter als 4 Stunden entfernt liegt bzw. diejenigen, die sooft sie konnten nach Hause reisten.
In dem 1781 verfassten „Studenten-Lexikon“ von Christian Wilhelm Kindleben (Halle) wird der Begriff Kümmeltürke erstmals öffentlich dokumentiert: ,,Kümmeltürken heissen diejenigen Studenten welche aus der umliegenden Gegend bey Halle gebürtig sind."
In der Gegend um Halle wurde sehr viel Kümmel angebaut und den studierenden als Nahrungsmittel mitgegeben. Ob jetzt die sichelförmigen Kümmelkörner die Kommilitonen an den türkischen Halbmond erinnert haben, oder die Studenten anders aus dem Mund rochen als ihre Studienkollegen ist hier nicht beschrieben.
Obwohl hier also von Türken die Rede ist, hat es nichts mit Ihnen zu tun.
Türkis
Wem ist heute noch klar, dass wir auch die Türkise den Türken zu verdanken haben? Denn das Wort, das heute einen blauen Edelstein bezeichnet, ist dem französischen "turquoise" entlehnt und bedeutet schlicht und einfach "türkisch". Vermutlich kamen die ersten Türkise aus der Türkei und wurden deshalb so genannt.
Hurra
Bei kriegerischen Angriffen spornten sich die türkischen Soldaten mit dem Rufe: "Vurha" an. Im türkischen heißt dies "Schlag! Los!" Die Deutschen, die kein türkisch konnten, verstanden "Hurra", was auch heute noch als Siegesruf oder Freudengeschrei gilt.
Hekmek
Türkische Kriegsgefangene in Deutschland verlangten nach "Ekmek", nach Brot. Die deutschen Aufseher konnten die Sprache nicht verstehen machten daraus "macht kein Hekmek!"
Türk und Sultan
Hundenamen für besonders gefährliche und bissige Hofhunde. Erstmals nachgewiesen wurde diese Namensgebung schon 1802.
Türkenstecher
Jemand der andere mit Mord und Totschlag bedroht. Nachgewiesen im Jahre 1663.
Türkenstechen
Ist eine Übung von Soldaten gewesen. Diese haben tote Türken von den Schlachtfeldern gesammelt und an leichte Holzwände gestellt haben um dann Zielübungen zu absolvieren. Hierzu wurden von berittenen Soldaten Speere und Lanzen auf die toten Türken geschleudert um das treffen zu erlernen.
Das "Türkenstechen" stand in der Barockzeit auf dem Programm der Kavallerieausbildung zur Einübung der Attacke. Die Felsenreitschule in Salzburg wurde vor über 300 Jahren für das Training der erzbischöflichen Kavallerie geschaffen. Im Foyer weist ein über 700 Quadratmeter großes Fresko auf diese Reiterkunst hin, die man Türkenstechen nannte.
Türkenblut
Ein dunkelroter Rotwein den „man im Kasino aus unbekannten Gründen Türkenblut nannte.“ Erstmals erwähnt im Jahre 1716.
Der Aperitif „Türkenblut“ stammt aus den 1920er Jahren. Hierfür mischt man einen schweren dunklen Rotwein mit mindestens 25% Schaumwein.