Narrenrede der Junggesellengilde
Guten Tag ihr Narren, ich thue euch die Ehre an euch zu besuchen. Das hier ist mein Hut, den ich abnehme und dies ist mein Kratzfuss. Werdet nur nicht rot vor Blödigkeit ‚ noch vor Verlegenheit, denn obwohl ich, der König Salomon bin, so thut doch ganz als ob ihr zu Hause wäret.
Ich steig von meinem Thron, der gross ist,
zu melden was heut’ los ist.
Habt ihr Ohren auch anzusehn,
Augen im Kopfe, die Deutsch’ verstehn?
Meine Herrschaften, wenn sie mich so lächerlich ansehn, so ist das gegen den Respekt, es ist auch ein Beweis, dass sie mich nicht für den halten, für wen ich mich ausgebe. Aber Beweis um Beweis!
Warum heisst Salomon der Weise?
Alles ist närrisch - sagt er leise;
Ich sage: Ja, alles ist so und so.
Bin darum auch ein Salomo.
Von den Juden sprach er und, wie ihr wisst,
ich aber sag’s von Jud’ und Christ.
Bin vor dem König um so viel weiser,
bin eigentlich Salomo der Kaiser.
Es ist mir sehr auffallend gewesen bei meiner Ankunft weder Ehrenwache vorzufinden, noch weissgekleidete Mädchen, die Blumen gestreut haben. Keine Seele hat das Gewehr präsentiert obwohl ich in Uniform bin und nicht ohne mein berühmtes Zepter hier. Komme ich einmal wieder so wird man seine Unterthanenpflicht besser wahrnehmen.
Bin gekommen Leute,
zu sagen euch was los ist heute.
Was nicht fest ist, das ist los,
Und zweitens ist meine Regierung los.
Heute reicht mein Zepter hier,
vom ersten bis zum letzten Quartier.
Heute beherrsch’ ich die ganze Welt,
von der Prinzenstrasse bis zum Feld.
Ganz Europa ist heute mein Staat,
von Lücklos bis zum Pastorath.
Alle Länder kalt und schwüle,
von der Schlei bis zu der Mühle,
Alle Stationen schwarz und helle,
von dem Dehnthof bis zur Kapelle.
Fest ist heut die Polizei,
los ist heut die Narrerei,
los sind die Schnurren,
fest das Achen und Wehen,
los das Lachen und drehen.
Fest sind die Schiffe heute,
los sind die Leute.
Fest ist der Zopf,
Los ist der Knopf.
Fest sind die Steine,
Los sind die Beine.
Fest ist der Christoffer,
Los ist das Geld im Koffer,
Los ist das Geld in der Tasche,
Los ist heut der Pfropfen auf der Flasche.
Schenkt mir nicht mehr, nicht mehr ein. Meine Lektion ist heute lang und Trinken macht das Gedächnis kurz, dazu ist es noch früh am Tage, und ihr wisst König Salomo verlor den Kopf erst gegen Abend. Was los ist, wist ihr nun auch, aber was kommen kann, wisst ihr noch nicht. Kein Mensch weiss was kommen kann. Einer nur ausgenommen, damit ihr nachher nicht erschreckt, will ich es Euch vorher sagen. Aus der ganzen Welt können einige meiner Unterthanen kommen.
Erstlich kann kommen ein Herr vom Stande,
Graf Alozogs, ein spanischer Grande.
Wie seine Königin Isabellen,
Macht er einen Kappelner Junggesellen;
Seine Gemahlin hat auch Geschmack,
Versucht es nur, sie kaut Taback.
Schäfer und Schäferin werden kommen,
unterwürfig sind sie aufgenommen.
Wer eure Gesichter sieht, der schwört,
dass ihr alle zu Ihrer Herde gehört.
Die Jahreszeiten werden nicht fehlen,
ich liess die Guten sich vermählen.
Es ist schade für Hof und Haus,
stirbt die nützliche Rasse aus.
Italiener und nordischer Bauer,
Nord und Süd unter einem Schauer.
Doch vor allem, damit ich’s sage.
Es kann kommen am heutigen Tage,
Alle Doktoren Blum und Kose,
mein Leibarzt ‚ Doktor Fix der Grosse.
Rspekt vor dem! Er weiss was Pflicht ist,
Er kurriert euch was ist und was nicht ist.
Pest und Fieber und Cholera,
Podegra, Lodegra, Todegra.
Macht Blinde gehn und Lahme sehn,
gerade krumm und Kluge dumm,
Reiche arm und nackt die Armen,
Warme kalt und Kalt die Warmen.
Alles nur so als wär es nichts,
heisst darum auch Doktor Fix.
Musje Christian sein rechte Hand
kuriert die Mädchen im ganzen Land.
Von den kleinsten bis zum Grössten,
der lust’ge Schalk kann alle trösten.
Passt auf sie kommen euch, all die Gäste,
doch zuletzt kommt noch das Beste:
Mit bunten Tüchern und weiten Hosen
Capitän und Matrosen.
Ab die Hüte: Das sind die Wahren
nächst dem König seit alten Jahren.
Ist der Seemann der erste Mann,
Mit Vater Noah fängt er an,
Hat Gottes Freundschaft von ihm geerbt,
hält sich aufrecht und unverderbt.
Deswegen beherrscht er Wind und Wellen,
hat das Herz auf der rechten Stelle;
Hält auf Ordnung und gute Sitten
duldet keinen Schelm in seiner Mitten.
Spricht ein Braver Vernunft ihm vor,
hat er immer ein offen Ohr.
Ist beständig zu helfen bereit,
Spass und Ernst, alles zu seiner Zeit.
Ein Kind am Rande an Bord ein Mann
Spottet aller Gefahren dann.
Schaut dem Tode ins Angesicht,
geht er unter, er jammert nicht.
Gen Himmel fährt er in Gradem Lauf,
St. Petrus macht selbst die Türen auf.
St. Petrus, der auch ein Seemann war,
reicht ihm treulich die Rechte dar.
Willkommen Kamerad! Hier Dein Schiff,
Nirgends eine Sandbank, nirgends ein Riff.
Dein Kurs mit Gott, deine Pracht Seligkeit,
die Ewigkeit Dein Meer.
Vor einem Narren macht die Thür weit auf, dass ich mit Anstand abgehen kann. Dies mein Hut, dies mein Kratzfuss, dies mein Rücken, der euch einige Thränen nachweint.
Lebt ewig wohl!
Nein, halt zum Andenken will ich euch noch einen Vers hinterlassen:
Hört mit Andacht so und so!
Spricht der weise Salomo.
Löwe ist ein wildes Tier!
Zwei mal zwei sind das nicht vier?
Fällt ein Thurm, so fällt er um.
Jedes Haus hat seine Sparren,
jedes Haus auch seinen Narren!
Merkt euch dies damit ihrs wisst,
dass mein Daum’ ein Finger ist.
Und somit Gott befohlen, und lasst mir immer nur gutes von euch hören.

Die Narren 1938