Rede für den Musje Christian
Wahrscheinlich. wird diese werthe Versammlung wohl Humanität und Lebensart genug besitzen, um auch neugierig zu seyn, meinen Lebenslauf zu hören. So sperrt denn die Ohren auf und höret!
Mein Lebenslauf ist freilich nicht so wunderbar und erfordert nicht eine Quantität eine solche Quantität frommen Glaubens, als der meines Herren Professors, denn ich habe doch etwas, wenn auch nur ein Kleinigkeit eines gewöhnlichen Menschen an mir. Bin, ich auch nicht wie er, wie ein Maulwurf durch die Erde gebrochen, so gibt es doch wenig Gegenden auf der Erde, in welchen es menschliche Gebrechen gibt, wo ich, solche nicht geheilt hätte.
Zwar habe ich nicht auf einem Kometen in rasender Eile die Erde umkreist, und nach belieben abgestiegen; aber dafür habe ich auch die Gabe, durch Einfluss meines Geistes, auch in der weitesten Entfernung, alle Kranken zu heilen wodurch ja alles Reisen überflüssig wird.
Ich habe freilich nicht ein so hohes Alter erreicht wie mein Herr, und werde solches auch wohl schwerlich thun; aber dennoch verhindert nur meine angeborene Bescheidenheit, zu sagen, wer von uns beiden in seiner Kunst am weitesten vorgerückt ist, also ein Beweis, dass mein Genie, einer rascheren Entwicklung fähig ist. Und habe ich auch nicht so oft die Zähne gewechselt wie mein Professor, so ist mir dafür auch nie der Weisheitszahn wackelig geworden, oder gar verloren gegangen.
Aber wie heisst und wo liegt das Land wo er geboren? Wo hat er studiert Und auf welche Art seine ochsige Gelehrtheit erworben? Diese Fragen kann ich -auch ohne meine Kunst- auf euren neugierigen Gesichtern lesen.
Nun! so gut ich kann werde ich sie beantworten. Wo ich geboren bin und wie das Land heisst, weiss ich eigentlich selbst nicht, denn weil es noch 360 Grad nördlicher als der Nordpol liegt, so ist es auch nicht mit auf unserer Landkarte und in der Geographie verzeichnet, aber dass ich wirklich geboren bin‚ darauf kann ich den feierlichsten Eid schwören.
Damals als in England der erste Luftballon erfunden ward, befand ich mich gerade dort, und liess mich beraten die erste Luftreis mitzumachen. Anfangs ging es ganz gut. Wir schifften nach dem festen Lande, und schwebten eben in einer Höhe von mehreren hundert Meilen, über der Grenze zwischen Polen und Ungarn, als der Ballon plötzlich zu sinken begann. Sey es nun, dass der reine Aether, welcher sich. bekanntlich in den höheren Luftschichten befindet und welchen ich. eingesogen hatte, mein Genie so rasch entwickelte, und dass die Schwere desselben, das rasche Sinken veranlasste genug, wir sanken. Nun könnt ihr meine Verehrten, wohl denken, dass das Herabstürzen von dieser grässlichen Höhe mit einer rasenden Geschwindigkeit geschah. Nach kurzer Zeit fühlte ich einen festen Gegenstand unter mir, und als ich zur Besinnung kam, bemerkte ich, dass ich auf einem Adler sass, auf welchen ich gefallen war. Anfangs senkte sich dieser allmählich mit mir zur Erde, aber da er nicht zugeritten seyn mochte, so suchte er sich bald seiner Last zu entledigen welches ihm auch leider! nach einem hartnäckigen Kampf, in welchem er mir die Augen aushackte und mit seinen Krallen die Brust aufriss gelang. Gerade auf der Grenze, (mit en Füssen in Polen und mit dem Kopf in Ungarn) stürzte ich nieder.
Viele waren schön vorübergegangen, aber aus Furcht Grenzstreitigkeiten anzurichten, liessen sie mich liegen. Hier war also wo der Genius der der leidenden Menschheit, mein Herr Professor mich finden liess, welcher, alle Rücksicht beiseite setzend mich aufnahm, zusammenflickte und mir wieder neues Leben einhauchte. Durch dieses Einhauchen ist ein Teil seines Geistes in mich gefahren, welcher denn überaus fruchtbaren Boden in mir gefunden und zuletzt dieses grosse Kunstgenie in mir entwickelt hat. Einige von unsern Wunderkuren aufzuzählen‚ überlasse ich pflichtschuldigst meinen Herrn Professor.

Musje Christian 1938
Musje Christians Weisheiten
Musje's Leibstückchen 1
Musje's Leibstückchen 2
Lied des Musje Christian
siehe auch die
erste Rede des
Dr. Bombastus