Rede No 4
Doktor. Da bin ich der Mann nach dem ihr geschmachtet habt. Mein gefühlvolles Herz konnte nicht länger widerstehen.
Großer Mann - sagte der Geist zu mir, kommst du nicht bald, so kommt Cappeln um. Da bin ich denn und ganz erhitzt, wie ihr seht vor Eilfertigkeit – ich, der noch vor einer Stunde in Constantinopel auf dem Sofa saß, und mit dem Sultan Kaffee trank.
Erhabenstes Wesen, so sprach der türkische Kaiser zu mir, erhabenstes Wesen, darf ich mich in Demuth überwinden, dir eine zweite Tasse einzuschenken - als sein Wort plötzlich von einem furchtbarem Knall unterbrochen ward.
Wehe! Rief er aus sicherlich wird da meine Flotte in die Luft gesprengt. Beruhige dich mein Sohn, antwortete ich ihm, jener Donner ist nichts weiter als der leise Nachhall eines. Seufzers aus Kappeln, eines Seufzers nach mir ‚ deinem Freunde ‚ deinem Gönner. Sagt konnte ich solchen Eurer Sehnsucht widerstehen?
Christian, was antwortete der Sultan?
Christian: Er sagte: O Allah, warum kann Ich nicht Fleckensvogt in Cappeln werden?
Doktor: Eigentlich sagte er: linum tarum mufti chimborasso, aber die Uebersetzung ist richtig. Ihr wundert euch wohl, dass ich aus so weiter Ferne, so schnell anhero gelangen konnte und wisst doch dass ich derselbe bin, der in Venedig im Jahre 1482 auf dem Markte ein Knäuel Bindfaden in die Wollen schmiss und daran emporkletterte, bis ich von den Leuten nicht mehr gesehen ward. Christian, wohin gelangte ich noch damals?
Christian: Herr Doktor ich weiss nur wohin ich gelangte. Als ich Euch nachklettern wollte, riss der Bindfaden entzwei, so dass ich. kopfüber in den großen Kanal fiel. Ihr selber gelangtet wohl nach Hause.
Doktor: Nenne mein Haus!
Christian: Je nun, in den Mond.
Doktor: Ja. Ich gelangte in den Mond. Der Mond ist mein Haus. Habt ihr vom Mann im Monde gehört? Ihr wundert euch abermals. Ihr sollt mich kennen lernen, und zugleich erfahren, wie in den Besitz des Mondes ich gekommen bin. Nicht nur nehme ich kein Ende, nein ich nahm auch keinen Anfang. Hört! Ehe und bevor die Welt geschaffen war, wurde mir die Zeit recht lang. Eines Tages sitze ich da, und rauche zum Zeitvertreib meine Pfeife. Es war eine von jenen langen Pfeifen, die jetzt leider aus der Mode kommen. Während dem so klopft es bei mir an. Herein die Türe geht auf. Christian wer war es noch der bei mir da ankam?
Christian: Je nun der Schöpfer.
Doktor: „Mein lieber Doktor“ sagte der Schöpfer - denn wir standen uns damals sehr gut miteinander, „ ich habe soeben ein wichtiges Geschäft unter den Händen, wollen Sie nicht so gut seyn, mir Ihren schätzenswerten Beistand zu leisten?“
„Ich bin gerade mit der Erschaffung der Welt beschäftigt haben Sie doch die Gewogenheit die Erschaffung des Mondes auf sich zu nehmen!“
Nichts lieber als das! „ Es versteht sich, dass Ihre Hervorbringung auch für ewige Zeiten Ihr Eigentum bleibt!“ - Das versteht sich - .
Damit klopfte ich meine Pfeife aus, langte mit dem leeren Kopf nur so herum in eine Kumme Seifenwassers, die zufällig auf meinem Waschtische stand, und blies Euch mir nichts dir nichts, den lieben Mond zum allgemeinen Erstaunen als Seifenblase in die Luft.
Später ließ ich ihn ausfüttern und wohnlich einrichten. Kinder besucht mich doch einmal, thut es wenigsten der schönen Aussicht wegen. Hab ich abends mein Licht angesteckt und sitze im offenen Fenster, im Mondschein, wie man hier unten sagt, und sehe mir die Weit an und Cappeln hier durch diese meine Brille. - Nun ein Doktor muss verschwiegen seyn; aber sehe ich denn die Mädchen Kappelrund gehen und das in. Gesellschaft, und sie glauben sich unbemerkt, und schwören bey meinem keuschen Logis. - Christian, was pfleg‘ ich alsdann zu sagen?
Christian: Herr Doktor ich setze bey solchen Gelegenheiten Ihre alte Brille auf und habe denn keine Ohren.
Doktor: Keine Ohren? Wie ist es möglich keine Ohren zu haben?
Christian: Das ist erstens möglich ‚ wenn man von Natur keine hat, zweitens, wenn sie einem abgeschnitten sind und drittens wenn man ganz Auge ist, wie ich es dann bin.
Doktor: Wozu hast du denn deine langen Ohren du Esel, als und damit die Erlauchtesten Worte meiner Weisheit und Tugend zu hören.
Christian: Keine Beleidigungen Herr Doktor, sonst komme ich mit der Wahrheit heraus. Eure Worte, wisst Ihr klingen besser als Eure Handlungen.
Doktor: Als meine Handlungen?
Christian: Nun ja. Oder habt Ihr Euren sauberen Handel vergessen, mit der Prinzessin von China? Euren Handel mit der Kaiserin von Japan? Mit der Kaiserin von Brasilien? - Mit der Königin von Spanien? - Mit all den Prinzessinen in Paris? In London? - In Hamburg? - In Cappeln? -
Doktor: Stille Christian, keine Anzüglichkeiten. - Kommen wir lieber auf unsere Sache zurück. Ja, ich bin ein großer Mann, ich bin der Mann, aus dem Monde.
Ihr wisst es meine andächtigen Zuhörer, welchen Einfluss der Mond auf die Erde ausübt, dass er z. B. Ebbe und Fluth regiert.
Seht, das ist nur ein schwacher Beweis von jener unbeschränkten Macht, welche Ihr Herr und Bewohner über die ganze Natur hat. Ich habe den Mond nur damit angesteckt, alles was an mir ist, stecke ich damit an.
Ein Lappen meiner Hose in den atlantischen Ozean geworfen, würde diesen mitten im Sturm auf der Stelle beruhigen.
Noch vorgestern lag der Papst 3 Stunden vor mir auf den Knieen und bat mich vergebens, ihm nur auf eine Minute meine Perrücke aufzusetzen, wenn ich - mit Respekt zusagen – ausspucke, d.h. auf fruchtbarem Boden, so knetet Euch mein Christian aus dem also gesegneten Stück Erde, sogleich irgend ein Wunderthier. Christian, wie heißt noch das Wunderthier das du unlängst so auf unserer Durchreise von Paris zurecht backtest.
Christian: Professor Appel.
Doktor: Es war dir etwas dick gerathen.
Christian: Nicht meine Schuld. Der Herr Doktor hatten gern, auf fetten Marschboden ausgespuckt. Der gute Herr von Noer fiel dünner aus.
Doktor. Sie ruhen in Frieden! - Ja wenn ich denke was Ich alles geleistet habe, so wundert es mich über die Maßen, noch immer nicht auf jedem Marktplatz einer jeden Stadt mein ehernes Standbild zu finden, es wundert mich hier zu Lande doppelt wo man doch in Copenhagen jetzt den ersten Bildhauer der Welt so bequem bei der Hand hat.
Nur ihm wird es gelingen meine diese erhabene Gestalt würdig nachzubilden, diese Augen, diese Nase, diesen Zopf, diesen herrlichen Bauch.
Die ganze Welt ist mir an Dank Millionen schuldig, und hat noch keinen Heller abgetragen.
Dem Nebukad Nezar habe ich die Haare geschnitten. Den König Salomo barbiert. Die Königin Saba von Krämpfen geheilt. Alexander dem Großen zur Ader gelassen, dem Kaiser Augustus die Zähne ausgezogen. Carl dem Großen die Leichdörner geschnitten, ein dutzend Päpste von galanten Krankheiten kuriert. Ludwig den 14ten Klistiere gesetzt und Kaiser Napoleon Blutigel. Was ward mir dafür?
Immer nur neue Zumuthungen an meine Dienstfertigkeit. Nachdem Anno zwölf den russischen Kaiser Alexander befreit hatte, musste jetzt sein Nachbar der Kaiser von China das erfahren haben. Christian ließ uns doch aus seinen Brief vor.
Christian: Ta, fo fi, fo, fu -
Doktor: Lies nur gleich die deutsche Uebersetzung.
Christian (liest): Erhabenster Doktor und Gott! -
Doktor: Ich genieße nämlich in China göttliche Verehrung.
Christian: Es ist unserer himmlischen Majestät keineswegs entgangen, welcher maßen Du von diesem unseren hochseligen Nachbarn, des Kaisers Alexanders Majestät von den Franzosen befreit hast. Sintemal wir uns selber nunhero aufs erbärmlichste von den Engländern behaftet fühlen, so bitten wir dich de- und wehmüthlichst um eine wirksame Purganz, welche uns diese Engländer abführe“.
Doktor: Christian, was habe ich ihm noch geantwortet?
Christian: Spadille, manille, basta schleimünde solo.
Doktor: Das heißt folgendes: Komm und hole sie. Du wirst sie finden bey meinem geliebten Volke, bey den Cappelern! Bey Herrn Hans Wölffel will ich Dir Logis bestellen, wo sich noch einige andere Potentaten aufhalten. Was gehst du mich an und was frag ich nach dir. Meine Freunde gehen vor.
Ja meine Freunde, wie begonnen, so geschlossen. Seht da bin ich! Doch nicht mit leeren Händen. Alle die gewöhnlichen Wunder will ich ohne Anpreisung verrichten. Ich werde Euch damit zu jeder Stunde zu Diensten seyn, ausgenommen von 10 - 11, wo ich in Amerika zu thun habe und von 11 - 12 wo ich beim Sultan engagiert bin.
Aber ein außergewöhnliches Wunder, das will ich ankündigen, und als Beweis meiner Liebe will ich es thun, gegen ein einziges Versprechen von Eurer Seite. So hört:
„Es sollen Euch im laufenden Jahre viele Millionen Heringe in die Schlei kommen, jeder Hering ineinem goldenen Futteral.“
Christian: Aber Herr Doktor - die Schleswiger Fischer!
Doktor: Ich werde die Futterale so einrichten, das die Schleswiger sich daran die Hände verbrennen. - Alles gegen das einzige Versprechen von Eurer Seite. Christian, du kennst die Herzen des Volkes antworte du in ihrem Namen. Sagt wollt ihr?
Christian: Ja!
Doktor: Mir…
Christian: Ja!
Doktor: eines versprechen?
Christian: Ja!
Doktor: Laßt mir künftig den Mond in Ruhe.
Christian: Ja, Herr Doktor!
