Rede No 3
Ich Theophrastus Bombastus Paracelsus weltberühmter Doktor und Professor der Medizin thue mich euch als ein wahrer Jünger Aeskulaps kund, ja da der Ruf meiner grossen Gelehrtheit Geschicklichkeit mir mit der Schnelligkeit einer telegraphischen Nachricht immer Meilen weit voran geht, so bewundere ich keineswegs, dass die Menge mich hier so anstaunt, wie der Bauernjunge den Hans Wurst.
Insonderheit, da sich meine Kunst grösstentheils auf die Schwächen der Liebe bezieht. Um diese Praxis fortzusetzen scheine ich hier recht in meine Spähre gekommen zu sein, denn ich hörte mehrere junge Mädchen unter dem Joche der Jungfernschaft seufzen, nie sah ich mehr schmachtende Blicke als etwa hier. Ja es ist mir sogar nicht selten vorgekommen, 12jährige Mädchens an der Liebe laborieren zu sehen. Ausserdem bin ich sehr geschickt im Praktieren, Vomieren, Purgieren, Klistieren, Skarifizieren, Kauterisieren, Akkuschieren, Sallivieren, Formentieren, Amputieren und Pflasterschmieren. Fieber, Schwindsucht, ansteckende Seuchen, Wassersucht, Schlag, Lähmung und dergleichen, Krätze, Wahnsinn, Stein und Skorbut, kurier ich alles kurz und gut.
Darum ihr Kranken hört und lasset mich rufen, mich der Nah und Fern auf den Gipfel des höchsten Ruhmes gestiegen ist. Ja ich sehe ihr staunt mich an wie ein Wunderthier und die Frage liegt auf euren Lippen, können Sie denn wirklich unser liebekrankes Herz heilen?
Ja ich kann und will euch heilen, denn mein helles Auge, welches feiner ist, als je eine Brille, hat euch schon längst unter der Menge erkannt.
Traut! liebe Freunde Traut! Erfahrung macht uns weise, sie hebt uns hoch empor auf langer Lebensreise. Zur Stärkung eures Muths, zur Linderung eurer Pein lass folgendes euch stets zur Lehr und Warnung seyn. Euch alle will ich kurier, Selbst die weder Stern noch Glück bei ihrer Liebe führen und werden sie nicht selbst zu einem Sünderich. Doch viele lieben allzu plump, denn wenn sie mit weiter nichts als ihren Mitteln trotzen und wie ein Ziegenbock auf ihren Hörnern strotzen, dann sind sie noch oft so schlecht von Ansehn, dass allemal mit ihrer Liebe auf einen Holzweg geraten.
Nächst diesen findet man manche, die gar zu blöde sind und gleich alle Mühe aufgeben wenn sich das Mädchen nicht selbst zu seiner Frau erbietet. Ja manche muss man gar dazu mit Haaren ziehen, wenn gleich die Mädchen gleich um ihn herumgehen und seufzen, so denkt er dennoch sie meint es nicht so und hält es für Verstellung, ja wenn er sie auch liebt, so denkt er dennoch bange ein Wort an sie zu richten wagen.
Ein solcher steht gewiss auf ziemlichschwachen Füssen, und wird wie mich bedünkt davor gebrauchen müssen:
1 Loth Courage und
5 Quentchen Wohlgemuth,
4 Löffel Herztinktur
das ist vortrefflich gut. Hingegen gibt es auch manche, die gar zu sehr verwegen und höher als sie selbst sind, hinaus wollen.
Oft ist ein schlechter Kerl, der weiter nichts hat als klare Haut und schwarze Augen, der denkt nun, alle Welt muss sich in ihn vergaffen, und selbe Meinung ist, den Mädchen recht zu Kur zu treiben. Doch wenns zum Treffen kommt, so muss er sich bekennen, das seine Hoffnung nur ein leerer Traum gewesen ist.
Demselben will ich hier zur Artzenei verschreiben, er lasse Riesenwurz zu einem Pulver reiben, er stoße Hasenschrot wie Schnupftaback so fein und nehme 50 mal des Tages davon ein.
Jedoch will ich mich auch an die Jungfern wenden, wenn etwa keine Freier kommen sollten, die sie aus der Jungfernschaft erlösen.
Tausendschön und Engelsfüße,
Silberkraut wie auch Melisse,
Färberröthe, Sonnenthau hilft der Jungfer zu der Frau.
Auch euch Männern, die ihr etwa von bösen Weibern besiegt werdet, will ich hier ein Rezept verordnen:
Natterfett und Storaxkörner,
abgedörrte Schlehendörner,
Sauerampfer, spansche Fliegen
kann ein böses Weib besiegen.
So euch Weibern, die ihr so stolz einher geht wie ein welscher Truthahn, und doch von euren Männern für nichts gehalten werdet, euch will ich hier noch ein Rezept verordnen und verschreiben, wenn eure Männer nicht die rechte Wirtschaft treiben:
Schlüsselblumen, Katzenfüße,
eingemachte Lambertsnüsse,
Elendsklauen, Termentil,
Brombeersaft so viel man will,
Täschelwasser, Essigkräuter,
Pomeranzen und so weiter.
Dies alles sollen sie früh morgens und zur Nacht in guter Hühnerbrüh drei Messerspitzen voll getrost hinunterschlingen, es wird schon Zeit genug die rechte Wirkung bringen.
Doch will ich hier noch einige Regeln geben wie die Frau sich in den Wochen verhalten soll: Sie lasse da der Trank ein bisschen häufig, jedoch bei leibe nicht zu viel Kaffee und Wein, sie lasse sich Anis und Fenchel wohlgefallen, und präpariere sich ein gutes Theil Christstollen ein Reiss und Mandelnuss gibt guten Nahrungssaft, auch ist das Taubenfleisch zur Milch sehr vorteilhaft. Doch jetzt macht ich mit meinen Wünschen Schluß, der Segen sey bei Euch in seinem Ueberfluß.
Aber halt – was sehe ich für ein Verlangen auf euren Gesichtern. Sollte es vielleicht das Verlangen seyn um Etwas von meiner Wunderblume zu hören? Nun, denn will ich euch einiges erzählen:
Seht diesen Knab’ der bei mir steht.
Als armes Bettelkind fand ich ihn liegen in dem Weg.
Nur war er taub und blind,
die Augen hingen aus dem Kopf,
zerquetsch war ihm die Brust,
doch hab’ ich ihn kuriert.
Kennt ihr Magister Lobezahn?
Der kam zu mir gerannt.
Herr Doktor nehmt euch meiner an,
mich plagt der kalte Brand;
es beißt, es brennt, es juckt, es sticht,
das Mädchen vor mir flieht,
den hab’ ich auch kuriert.
Ein Mädchen bleich von Angesicht
kam auch zu mir daher,
was sie verloren wußt sie nicht
wo es geblieben wär.
Ich sprach mein Kind bleib sie bei mir.
In wenig Stunden half ich ihr,
die hab ich auch kuriert.
Des wohlbekannten Schlemmers Sohn,
der früh bis in die Nacht,
dem durstigen Complation
zum Patienten macht
und den der Weinzahn immer quält,
so sehr die Frau im Hause schilt.
Den hab ich auch kuriert.
Crumvixus ein Advokat,
der fetten Kläger Trost
der wie ein Herr Geheimerrath
bey seinen Bauern saß,
der Sprach: Ach! Schafft mir einen Mann,
der mein Gewissen heilen kann.
Den hab’ ich auch kuriert.
Zuletzt kam auch Herr Peter Brems,
der klagte mir die Noth,
ich machte Pillen und Essenz
und habe doch kein Brot!
Da merkt ich’s gleich nach mein Gehör,
dass er mein Herr Kollege wär,
und doch kuriert ich ihn.
So kommt denn her zu mir alle, die ihr mit Staar an den Füssen und Podogra in den Augen behaftet seyd. Gewöhnliche Uebel will ich den hiesigen Aerzten überlassen.
