Rede No 2
Endlich ist die Zeit gekommen, nach der ihr Euch aller Wahrscheinlichkeit nach sehr gesehnt habt. Ich der grosse Theophrastus Bombastus Paracelsus durch meine Kunst privilegierter und gradixirender Arzt, Mitglied der berühmten Gesellschaft auf dem Blocksberge, Professor und alleiniger Besitzer der Kunst, Arme und Beine, kunstgerecht und ohne Schmerzen vom Körper zu trennen und neue anzusetzen, verlorene Augen wieder durch neue ersetzen und endlich die Jugend wieder durch neue Zähne zurückzurufen.
Ich stelle mich auch als ein wahrer Jünger Aeskulaps in meiner hohen und hehren Person da, und auch mit meinen grossen Wunderkuren, die mich in allen Ländern zum Non plus ultra des 19ten Jahrhunderts gemacht haben, bekannt zu machen, euren Körpern die gehörige Reparatur zu geben, und euer Leben ein ganzes oder .ein halbes Seculum zu verlängern.
Ja es wäre mir eine Kleinigkeit, Methusalems Alter zum Gewöhnlichen Alter der Menschen zu machen, aber allesumfassender, allesumschauender Geist sieht schon alle Unordnung voraus welche daraus entstehen würde: Der alte Vater lebt dem erbsüchtigen Sohn zu lange, und das alte ungeliebte Weib, dem jungen galanten Mann. Darum ist es besser es bleibt beim Alten.
Wahrscheinlich ist der Ruf meiner Thaten auch zu euch gedrungen, dies beweist eure zahllose Versammlung. So sperret denn die Augen und Ohren auf um meine erhabene Person zu sehen, und Wunderdinge zu hören. Sperret sie auf sage ich ‚ und sollte auch etwas überschnappen ich stelle es auch gleich wieder in gehörige Form.
Um euch in eurem Zutrauen zu stärken, will i ch einige von meinen Kuren, welche Fama noch nicht ausposaunt hat, (weil sie in alle Stille geschehen) erzählen.
Einst wurde ich zu einem Mann gerufen den die Frau den Hirnkasten mit dem Panto ffel zerschmettert hatte. Hu dachte ich, das wird Haare scheren denn vor Weibern habe ich (unter uns gesagt) einen Teufelsmässigen Respekt; aber die Pflicht gebot und ich gehorchte. Mit zerschmetterter Hirnschale lag der Märtyrer der weiblichen Despotie am Boden, und die Frau stand noch mit der furchtbaren Waffe des häuslichen Regiments ( wie weiland Xanthippe) und schwang sie um den Kopf, dass mir die Haare zu Berge standen, aber meine hohe Gestalt entwaffnete sie. Rasch ging ich ans Werk und sammelte das verspritzte Gehirn des Mannes wieder in sein Behältnis zurück, aber alles konnte ich nicht erhalten, weil ein grosser Hund (der Liebling der Frau) schon eine gute Mahlzeit davon gethan hatte. Um das Fehlende zu ersetzen nahm ich eine gute Portion Schafshirn, vermischte es mit dem Rest des Seinigen, fügte die Knochen wieder zusammen, und die Kur war vollendet. Die Erfahrung hat gelehrt, dass das Schafsgehirn vortrefflichen Nutzen gethan hat, denn er hat sich nie wieder, gegen seine Frau empört, sondern nach Schafsart alles in Geduld ertragen und sich in der Folge vor Misshandlungen gesichert.
Ein anderes Mal ward ein Mädchen mit zerrissenen und zerfleischtem Herzen, welches die Untreue ihres Geliebten verursacht hatte, zu mir gebracht. Frisch ans Werk dachte ich. Ein kühner und kunstgerechter Schnitt und das arme gequälte Herz lag offen vor mir da. Aber potz Salben und Pflaster! Welch ein Gewirr von Gedanken, welch ein Gemisch von Tugend und Laster entdeckte ich in diesem weiblichen Herzen; ja hatte nicht früher ein Naseweis gesagt: ein Weib ist ein Quodlibet, ich hätte es hier mit triftigen Gründen unterstützt, beweisen können. Ich flickte das Herz nach besten Kräften aus, und sie ist jetzt wieder hergestellt.
Einst war der Sohn des grossen Kaisers on Oesterreich aus dem dritten Stock des kaiserlichen Palais in Wien gefallen und hatte den H als gebrochen. Sogleich wandten die Doktoren und Professoren der Stadt alle möglichen Mittel an, dem Prinzen zu helfen, allein ihre Kunst war nicht hinreichend, sie gaben vielmehr alle H offnung auf und sagten seine Seele wäre schon entflohen. Durch dieses Ereignis war nun ganz Wien in Trauer. Zufälligerweise war ich in der Nähe Wiens, und da der Ruf meiner Geschicklichkeit mir immer meilenweit vorangeht, so kamen die Einwohner mir schon entgegen, spannten meine Pferde aus und zogen mich im Triumpfe nach dem kaiserlichen Palast. Ich verlangte den Patienten zu sehen. Aber wie erstaunte ich, als ich ihn schon mit dem Tode röchelnd fand!
Frischer Mut verzage nicht, dachte ich, setzte den Hals wieder in seine gehörige Lage Stellung, nachdem ich vorher die Wunde mit meiner Heilsalbe geschmiert hatte, band darauf steifes Leder um den Hals und liess ihn vermittels einer Luftpumpe frische Luft einhauchen. Denkt euch die Freude der kaiserlichen Familie, als sie nach einer Stunde die Augen aufschlagen sah, und nach zwei Tagen konnte er schon das Bett verlassen.
Zum Andenken an diese Kur trage ich noch dieses Kreuz der Ehrenlegion, welches ich vom Kaiser zur Dankbarkeit bekam. So kommt denn her zu mir alle, die ihr doch danach dürstet meine Geschicklichkeit auch euch erproben zu sehen.

Dr. Bombastus 1938
Erste Rede
Dritte Rede
Vierte Rede
Der Vesuv liegt in der Nähe von Neapel. Der Hekla (hier Heklo genannt) ist auf Island. Das sind gut und gerne 3.500 km. Nur die Luftlinie gerechnet...
siehe auch die
Rede seines Musje Christian