Dr. Bombastus
Doktor Theoprastus Bombastus ist ein weitgereister Mann. Erfahren in der Kunst des Heilens wie kein zweiter auf der Welt und gereist von der Sonne bis zum Mond.
Den Doktor Bombastus gab es wirklich, ob seine Reden ähnlich gut waren wie die des Dr. Bombastus unserer Gilde ist nicht bekannt. Allerdings gibt es heute noch den Ausdruck, das war eine "bombastische" Rede. Dieser Ausdruck kommt von der mitreissenden Erzählweise des wahren Dr. Aureolus, Philippius, Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), kurz Paracelsus genannt.
Rede No 1
Endlich hat auch diese Stadt das Glück in ihrem Raum den berühmten Professor Theoprastus Bomastus Paracelsus zu sehen, welcher weiter gereist ist als die Sonne, und schneller als wie Komet.
Ja ich habe in Nord Amerika mit den Indianern die Friedenspfeife geraucht, im Süden mit den Aranxans gejagt. Bin auf wilden Pferden über die Ebene on Mexico galoppiert, habe mit den Eskimos mir die Nase gerieben, bey den Chinesen selbst meinen Thee getrunken, bey den Kalmücken selbst das Lampenfest gefeiert und den grossen Khan der Tarratei eine neue Nase angesetzt, habe vom grossen Kubo von Japan noch diesen Ring erhalten, dessen Gemahlin bey einem Kriegsfeste das eine Auge verloren hatte, welches ich ihr wieder einsetzte.
Ich bin in Afrika unter den Schaggas, Gallas, Kaffern, Hottetotten und Buschmän- nern, in Australien unter den Neuseeländern und Fidschi Insulanern gewesen. Ja mit den wildesten Völkern aller Länder bin ich. umgegangen, alle verehrten mich, meiner Kuren halber als ihren Gott.
Ich habe alle Höfe Europas besucht. Bin von allen Potentaten wohl aufgenommen und vom Volke verehrt worden. Ich habe alle Bergwerke der Erde erforscht, jede Stadt des Festlandes gesehen und alle Berge der Welt bestiegen. Ich bin in allen feuerspeienden Bergen gewesen, bin in den Vesuv hinunter gestiegen und vom Heklo wieder hinausgeworfen.
Ich habe länger als tausend Jahre gelebt und stehe noch immer in der Blüte der Jugend, habe 140 mal die Zähne gewechselt, und werde nächsten Ostern abermals neue bekommen. Mein ganzes Leben ist dem Dienste der Menschheit gewidmet gewesen, und da ich eine mehr als tausendjährige Erfahrung besitze so bin ich im Stande mehr als Tausend Krankheiten zu heilen.
Ich bin im Besitze von Geheimnissen, durch welche sie sich Familie verschaffen können, wenn sie es wünschen, von Liebestränken die Männer beständig zu machen und von Salben dieselben blind zu machen, von Schönheitsmittel die Jugend und Schönheit herückzuführen, von Pulvern endlich die Kinder ruhig zu machen.
Soll ich auch erst von meinen Kuren erzählen, ich dessen Gemahlin schon so viele Wunder hervorgebracht hat? Hat doch auch diese Stadt vor nicht langer Zeit zu verschiedenen malen die Ehre gehabt, die hohe Frau hier durchpassieren zu sehen, wenn sie in einem Triumphwagen zur Heilung der Kranken umherzog!
War es derselben doch eine Kleinigkeit einen Holzschuh, dessen zarter Körper in- folge einer zu grossen Erschütterung seines Sternensystems in einer vollständigen Spaltung seiner selbst daniederlag, ohne Hülfe gemeiner Nägel, durch bloßes Bestreichen und einige Zauberformale vollständig zu heilen!
Schon jetzt seht ihr verwundert und was werdet ihr erst sagen, wenn ich auch von meinen Kuren erzähle? Einst wurde ich zu einem von Englands berühmten Plum- puddingessern gerufen, dessen sehr aufgetriebener Leib ihm die heftigsten Schmerzen verursachte. Nachdem mir gesagt war, er habe am Tage vorher einen lmbiss seines geliebten Puddings genossen, fand ich leicht, dass er an einem ver- dorbenen Magen leidem musste. Was that ich um ihn, nicht blos für diesmal zu heilen, sondern ihn auch für die Zukunft sicher zustellen? - Hört und staunet! - Nachdem ich vermöge eines Kaiserschnittes meinen Patienten geöffnet und den Magen herausgenommen hatte, fand ich letzteren in einem sehr aufgetrieben bald in Gehrung über gehenden Zustande.
Ich legte ihn, deshalb einige Tage in Salzlake und schickte ihn alsdann zum Räuchern an eine der berühmten Hering Räuchereien dieses Landes. Nachdem ich denselben wieder erhalten hatte, liess ich ihn mit Rindsleder überziehen, und brachte ihn hierauf gehörig mit Wagentheer beschmiert an seinen alten Platz. Da mein Patient währenddessen keinen Magen besass, so war er vermöge der hier- durch nothwendigen strengen Diät für dies mal geheilt, und durch die Beschaf- fenheit seines Magens in Zukunft gegen alle Leibesunruh gesichert.
Ein anderes mal auf meinen Reisen, kam ich bei einem Hochgerichte vorbei, wo eben einem bei Delinquenten das Haupt vom Rumpf getrennt wurde. Mich jammerte dem armen Sünder, welcher im Begriff war geradewegs zur Hölle zu fahren und ich erhielt die Erlaubnis meine Geschicklichkeit am Delinquenten zu versuchen, weil Jedermann an meiner Kur zweifelte.
Hier hiess es schnell es schnell seyn. In aller Eile stülpte ich meine Nachtmütze dem Unglücklichen aufs Haupt, und verhinderte so das Entweichen der Seele. Ich stellte ferner den Kopf auf der Rumpf, beschmierte die Wunde mit meiner berühmten Heilsalbe und verordnete dem Patienten drei Tage lang das Bett zu hüten und zum Schwitzen einzunehmen.
Zur grossen Verwunderung aller Welt gelang die Kur und der Enthauptete wurde völlig wieder hergestellt. Nur sein Gemüth war ganz umgewandelt, indem er, der früher vor keiner noch so schlechten That zurückschreckte, ganz sanftmütiger, ja schläfriger Natur geworden ist. Was wahrscheinlich dem einstweiligen Aufenthalt der Seele in der Nachtmütze zugeschrieben werden muss.
Ja ihr glaubt kaum was die Kunst eines Mannes hervorbringen könnte. So kam ich einst von Polen und wollte nach Ungarn reisen. In der Nähe der Polnischen Grenze, fand ich einen Menschen liegen, dem beide Augen aus dem Kopfe hingen, und die Brust zerquetscht war. In möglichster Eile stürzte ich von meinem Wagen und fand dass die grauenvolle That erst vor wenigen Augenblicken vollführt war. Bei dein Anblick des Menschen zweifelte ich in der Wiederherstellung desselben, da ich die Pulse schon im Stocken fand. Hier war guter Rat teuer. Rasch schmierte ich die beiden Augenhöhlen mit Oel, setzte die Augen wieder ein and band ein Tuch davor. Darauf begab ich mich an die Brustquetschung, setzte die Knochen wieder zusam- men, schmierte die Brust mit meiner Heilsalbe und zu meiner grossen Freude kam wieder Leben in ihn.
Hierauf brachte ich ihn in eine Hütte, pflegte seiner daselbst 2 Tage und nahm ihn mit mir. Wie werdet ihr wohl erstaunen, wenn ich Euch in jenem Kranken meinen Christian vorstelle welcher seit jener Zeit nicht von mir gewichen ist, und nun es schon so weit gebracht hat, dass er gegen die Männer, welche sich hier Doktor nennen zum Professor werden könnte, wovon er auch wenn sich nur etwas ein- finden sollte eine Probe machen wird.
Doch ich sehe Eure Ungeduld, die Wirkungen meiner Geschicklichkeit auch an euch zu erproben. Daher ich denn mit der Erzählung meiner Wunderkuren innehalte und endlich meine Hülfe in allen Krankheiten und Übeln, mögen sie Namen haben, wie sie wollen, angedeihen zulassen.

Dr. Bombastus 2000
Zweite Rede
Dritte Rede
Vierte Rede
Der Vesuv liegt in der Nähe von Neapel. Der Hekla (hier Heklo genannt) ist auf Island. Das sind gut und gerne 3.500 km. Nur die Luftlinie gerechnet...
siehe auch die
Rede seines Musje Christian